2.6.2017 - Moers / Ljubljana / Niederrhein Dino Maas fordert: Altes Hafthaus soll Hotspot für Touristen werden

Am Pfingstwochenende ist Beret Roots (FDP Moers) als europapolitische Delegierte in Ljubljana, der Hauptsstadt Sloweniens. Dort übernachtet sie in einem ehemaligen Militärgefängnis, das nun ein mehrfach preisgekröntes Hostel ist. Im Celica Arts Hostel wurden 20 ehemalige Zellen individuell durch Künstler zu Mehrbett-Hostel-Zimmern eingerichtet, die restlichen neun wurden zu ganz normalen Backpacker-Schlafsälen.

 


In diesem Modell sieht die ehemalige Moerser Ratsfrau ein gutes Vorbild für das alte Hafthaus in Moers: „Vor Ort konnte ich mir ein Bild davon machen, wie durch moderne Architektur aus einem historisch vielfach vorbelasteten Militärgefängnis für Dissidenten ein warmer, offener, kulturell lebendiger Ort der Begegnung wurde. Unser Hafthaus ist nicht dazu verdammt, nur noch alle Jubeljahre als Horror-Kulisse für Hollywood und Co. zu dienen.“

Damit lässt die FDP nicht locker, was das Thema „Altes Hafthaus“ benutzt. Fraktionsvorsitzender Dino Maas hatte bereits 2015 angeboten, probeweise im Hafthaus Moers zu übernachten. Damals gab es Proteste aus den Fraktionen der Grünen und SDP gegen den Vorschlag von Roots, als Flüchtlingsunterkunft das alte Hafthaus umzubauen, statt nur auf Wohncontainer zuzugreifen.

Ein Flüchtlingsheim am Standort ist für die FDP-Fraktion aktuell zwar kein Thema mehr, dafür setzt auch Maas das Modell aus Ljubljana: “Als FDP Fraktion setzen wir uns seit Jahren dafür ein, Lücken in der Moerser Hotellandschaft zu schließen. Uns fehlt noch dringend eine Unterkunft für Fahrrad- und Kulturtouristen, Studierende, Jugendgruppen und andere Reisende mit kleinem Budget. In unmittelbarer Nähe zum Moerser Schloss und anderen historischen Gebäuden sollten wir das Potenzial nutzen, mit einem Besuchermagnet Wirtschaft und Tourismus in der Altstadt zu beleben.“

Auch in Deutschland und vor Ort sieht Roots positive Beispiele für die touristische Folgenutzung politisch kontroverser Bauruinen: „Auf Prora wird nun der Großteil eines Hitlerbaus für Nazipropaganda durch Massentourismus für NSDAP-Mitglieder, später Militärkaserne unter der DDR-Diktatur, privatwirtschaftlich genutzt. Davon ein großer Teil als hell eingerichtete Jugendherberge, in der ich auch schon übernachtet und positive Erfahrungen gemacht habe. Mit Kernies Wunderland haben wir am Niederrhein auch ein Unikat für die kreative Gestaltung von angeblich nicht mehr sinnvoll nutzbaren Bauten.“

"Transformation und Heilung durch Kunst" nennt die Marketing Managerin, Tanja Lipovic, das Konzept der Künstler- und Bürgerinitiative, nach der das heute denkmalgeschützte Hostel in städtischem Besitz nach der Unabhängigkeit Sloweniens entwickelt wurde. Besonders symbolisch ist dafür eine ehemalige Zelle, die heute ein für alle Gäste offener „Point of peace“ ist. Von sechs Nischen in der Wand sind fünf den Weltreligionen gewidmet und wurden von den höchsten Repräsentanten der jeweiligen Glaubensgemeinden in Ljubljana eingeweiht. Die sechste Nische, in der nur ein Gästehandtuch liegt, gibt Raum für weitere Glaubensvorstellungen. Dies symbolisiere, so Lipovic, einen Ort der Akzeptanz. Auch andere früher negativ belastete Räume, wo früher Menschen ihrer Freiheit beraubt werden, seien nun ein „Open Space“.

Besuchermagnet sei aber nach wie vor das Erlebnis, in einer „Gefängniszelle“ zu schlafen. Auch über das Pfingstwochenende waren die Betten restlos ausverkauft, so dass Roots zur Übernachtung auf eins der Zimmer ohne Gittertüren ausweichen musste. Der militärische Gebäudekomplex stammt noch aus dem 19. Jahrhundert gebaut unter der Monarchie Österreich-Ungarn. Der Altbau des Hostels wurde durchgehend, auch von deutschen und italienischen Faschisten und zuletzt von der sowjetischen Diktatur als Militärgefängnis für „Staatsfeinde“ verwendet.

Als die jugoslawische Armee auszog, wollte die Stadt das Militärgelände abreißen. Doch eine Künstlerinitiative erkannte das Potential und wollte das Gelände transformieren. Durch eine breite Bürgerbewegung getragen, gab die Stadt nach und unterstützte schließlich das Vorhaben. Die anderen Gebäude des komplexes werden vorwiegend künstlerisch nonkommerziell genutzt.

Für weitere Fragen zum Hostel: Tanja Lipovic T: +38612309700 Tanja.lipovic@hostelcilica.com

V.i.S.d.P.: Beret Roots Drususstr. 7 47441 Moers

Nachfragen an die FDP: 017655149617